Wenn ein Bestattungshaus für eine Trauerfeier kurzfristig einen Redner benötigt,…

Eine besondere Trauerfeier in Brandis – und warum dabei gelacht werden durfte
Es regnete in Strömen. Samstagvormittag auf dem Friedhof in Brandis bei Leipzig. Rund 100 Menschen waren gekommen, um von Ronny Abschied zu nehmen. Draußen.
Genau das war gewollt. Eine klassische Feier in der Trauerhalle sollte es nicht werden.
Ronny war gerade einmal 60 Jahre alt. Sein Tod kam viel zu früh. Für diesen einen Tag hatte er seiner Familie allerdings einen ziemlich klaren Wunsch mitgegeben.
Er hatte einmal gesagt:
„Wenn ich mal sterbe, dann macht ’ne Party und denkt an den lustigen Typen!“
Dieser Satz war für mich wichtig. Natürlich waren die Menschen traurig. Aber wenn wir schon von Ronny Abschied nehmen mussten, sollte während dieser Stunde auch der Mensch zu erkennen sein, an den sich seine Familie und seine Freunde erinnerten. Zu Ronny gehörte eine ganze Menge Humor.
Auch bei einer Trauerfeier darf gelacht werden
Ich erlebe in Trauergesprächen immer wieder einen kurzen Moment der Unsicherheit, wenn plötzlich eine lustige Geschichte erzählt wird. Darf man das überhaupt erzählen? Und darf man später bei der Trauerfeier darüber lachen?
Ja, das darf man alles.
Wenn jemand zu Lebzeiten andere zum Lachen gebracht hat, muss diese Seite seines Lebens beim Abschied nicht plötzlich verschwinden. Bei Ronny war schnell klar: Wenn eine Geschichte lustig war, durfte darüber auch gelacht werden. Und genau das geschah an diesem Samstagvormittag. Die Trauer war deshalb nicht weg. Für einen Augenblick stand einfach eine schöne Erinnerung im Vordergrund.
Mehr dazu habe ich im Beitrag Humor in der Trauerrede – Ein Lächeln bei der Abschiednahme geschrieben.
Und dann wurde Mickie Krause gespielt
Ein Lied dieser Trauerfeier dürfte einige Menschen überrascht haben. „Geh mal Bier hol’n“ von Mickie Krause.
Nun gehört ein Ballermann-Hit wahrscheinlich nicht zu den Titeln, an die man zuerst denkt, wenn es um eine Trauerfeier geht. Für die Familie hatte dieses Lied allerdings eine Geschichte.
Bei einer gemeinsamen Feier war es irgendwann gespielt worden. Die Erinnerung daran war geblieben. Mehr musste ich eigentlich nicht wissen. Die entscheidende Frage war: Passt dieses Lied zu Ronny?
Ja, es hat gepasst, also haben wir es gespielt.
Die beiden alten Damen
Während Mickie Krause über den Friedhof schallte, liefen hinter der Trauergesellschaft zwei ältere Damen vorbei. Ich sah ihre Gesichter. Und die waren ziemlich eindeutig. Man konnte förmlich lesen: „Wie kann man denn so etwas auf einer Trauerfeier spielen?“ Ich musste schmunzeln. Mehr wäre für mich als Redner in diesem Moment auch nicht angebracht gewesen.
Weil die Situation so wunderbar zu dieser Feier passte, habe ich sie spontan in meiner Rede aufgegriffen. Ich bin ziemlich sicher: Ronny hätte über die Reaktion der beiden wahrscheinlich schallend gelacht. Und so wurden zwei völlig ahnungslose Spaziergängerinnen für einen Augenblick Teil dieser Trauerfeier. Solche Situationen kann man nicht planen.
Zum Glück.
Kann man einen Ballermann-Hit bei einer Trauerfeier spielen?
Ja. Man sollte nur erklären können, warum. Für mich gibt es keine vorgeschriebene Liste mit Liedern, die für eine Trauerfeier geeignet sind. Musik sollte etwas mit dem Menschen zu tun haben, von dem wir Abschied nehmen. Bei Ronny war die Verbindung zu diesem Lied da. Damit war die Sache für mich geklärt. Mehr zum Thema steht im Beitrag Musik in der Trauerfeier: Was passt zu diesem Menschen?.
Und irgendwann hörte der Regen auf
An diesem Vormittag stand eine große Runde von Menschen auf dem Friedhof in Brandis und nahm gemeinsam Abschied. Irgendwann hörte tatsächlich auch der Regen auf. Ich mache daraus kein Zeichen. Es hatte lange genug geregnet und irgendwann war die Wolke eben leer. Schön war der Moment trotzdem. Die Feier fühlte sich stellenweise tatsächlich ein wenig wie eine Zusammenkunft von Freunden an. Vielleicht hatte Ronny genau das gemeint. Keine Party im eigentlichen Sinne. Aber einen Abschied, bei dem man sich an den Menschen erinnert.
Wenn ein Angehöriger die Urne trägt
Am Ende der Feier gab es noch einen stillen und sehr persönlichen Moment. Ronnys Sohn trug die Urne seines Vaters selbst zum Grab. Viele Familien wissen gar nicht, dass das nach vorheriger Absprache möglich sein kann. Eine Urne muss nicht zwangsläufig den gesamten Weg von einem Mitarbeiter des Bestattungshauses oder des Friedhofes getragen werden. Ob ein Angehöriger sie übernehmen darf, wird mit den Verantwortlichen vor Ort abgestimmt.
Bei dieser Trauerfeier wurde die Urne dem Sohn übergeben. Dann trug er seinen Vater das letzte Stück zum Grab. Dort übernahm der zuständige Mitarbeiter wieder. Es sind nur einige Meter. Aber diese Meter können viel bedeuten. Mehr muss man über einen solchen Moment eigentlich nicht sagen.
„Als hätte mein Mann ihm an einer Bar sein Leben erzählt“
Das Bild mit der Bar gefällt mir. Denn genau das versuche ich in einem Trauergespräch. Ich möchte ein Gefühl dafür bekommen, wer dieser Mensch war. Dafür brauche ich nicht jedes Detail seines Lebens. Oft reicht eine kleine Geschichte, um einen Menschen plötzlich vor Augen zu haben.
Wenn Angehörige nach der Feier sagen: „Genau so war er“, dann ist für mich sehr viel erreicht.
Persönliche Trauerfeiern in Brandis und im Raum Leipzig
Ronnys Trauerfeier in Brandis war ungewöhnlich. Unpassend war sie keinen Augenblick. Eine Trauerfeier muss nicht auf eine bestimmte Weise ablaufen, nur weil es schon immer so gemacht wurde. Sie sollte zum Menschen passen. Das gilt auch für meine Arbeit als Trauerredner in Brandis, Leipzig und im Leipziger Umland.
Bei Ronny reichte eigentlich ein einziger Satz, um die Richtung vorzugeben: „Denkt an den lustigen Typen.“
Ich glaube, das ist an diesem verregneten Samstagvormittag ziemlich gut gelungen.
Oder rufen Sie mich gern persönlich an: 03761 88 95 315
