Es ist der zweite Winter in der Corona Pandemie. Wir…

Hat mich meine Gewichtsabnahme als Trauerredner verändert?
Heute hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Angehörigen. Bei unserem Telefonat erzählte sie mir, dass sie mich bereits vor einigen Jahren als Trauerredner erlebt hatte. Nun hatte sie wegen eines eigenen Verlustes wieder den Kontakt zu mir gesucht.
Nachdem sie ein aktuelles Foto von mir in den sozialen Medien gesehen hatte, sprach sie mich auf meine äußerliche Veränderung an. Schließlich fragte sie mich, ob sich dadurch eigentlich auch meine Art verändert habe, Trauerreden zu halten. Ich war im ersten Moment etwas erstaunt über diese Frage. Doch tatsächlich bin ich danach ins Nachdenken gekommen.
Von 144 auf 81 Kilogramm
Am 18. Dezember 2025 wurde ich im Heinrich-Braun-Klinikum am Magen operiert. Jahrelanger Stress, falsche Ernährungsgewohnheiten und andere Faktoren hatten dazu geführt, dass ich irgendwann etwas gegen meine Adipositas-Erkrankung unternehmen musste. Seit der Schlauchmagenoperation habe ich sehr viel Gewicht verloren. Von damals 144 Kilogramm sind heute noch 81 Kilogramm übrig. 63 Kilogramm weniger.
Es ist kein leichter Weg, den ich gegangen bin. Aber es war für mich der richtige Weg, vor allem mit Blick auf meine Gesundheit und mein persönliches Wohlbefinden. Die Veränderung ist natürlich deutlich zu sehen.
Doch hat sie auch etwas an meiner inneren Haltung verändert? Ja, das hat sie.
Was sich tatsächlich verändert hat
Ich habe erst nach und nach gemerkt, wie viele Einschränkungen ich mit meinem hohen Gewicht im wahrsten Sinne des Wortes getragen habe. Vieles davon hatte ich irgendwann einfach als gegeben hingenommen. Heute bin ich froh, diese Einschränkungen nicht mehr zu haben.
Meine ganze körperliche Präsenz hat sich verändert. Das merke ich zum Beispiel häufig, wenn ich am Rednerpult stehe. Ich fühle mich nicht mehr so schwerfällig und traue mich auch ganz anders zu gestikulieren.
Auch im Geschäftsalltag hat sich einiges verändert. Ich bin positiver gestimmt, habe mehr Energie und sehr viel Lust darauf, neue Ideen umzusetzen. Das alles hat natürlich Einfluss auf mich als Menschen.
Aber halte ich heute andere Trauerreden?
Das war ja die eigentliche Frage der Angehörigen. Ich selbst würde sagen: Nein.
Mir war es schon immer wichtig, eine Trauerrede so zu gestalten, dass eine schöne Erinnerung an den verstorbenen Menschen entsteht. Ich möchte nicht, dass Angehörige nach einer Trauerfeier die Halle verlassen und nur denken:
„Herrje, war das schlimm.“
Natürlich ist eine Trauerfeier traurig. Ein Mensch fehlt und wird nicht wiederkommen. Aber neben dieser Trauer darf auch die Erinnerung stehen. Und vielleicht kann am Ende sogar ein wenig Dankbarkeit dafür bleiben, dass man einen Teil des Lebens gemeinsam verbringen durfte. Genau diese Haltung hatte ich schon früher. Daran hat sich nichts geändert. Diese Haltung prägt auch meinen Blick darauf, wie eine gute Trauerrede sein sollte.
Die eigenen Erfahrungen nimmt man mit
Natürlich entsteht meine Art, Trauerreden zu halten, nicht losgelöst von meinem eigenen Leben. Der Verlust meiner Eltern im Jahr 2011 gehört zu meiner Geschichte. Zwei Jahre später starben meine vier besten Freunde. Hinzu kommen viele Dinge, die ich privat und beruflich erlebt habe. Solche Erfahrungen verschwinden nicht einfach. Sie prägen einen Menschen und fließen zwangsläufig auch in die Art ein, wie man anderen Menschen begegnet.
Bei mir ist nun noch eine Erfahrung hinzugekommen.
Ich habe gelernt, dass man selbst in einer Situation, die einem irgendwann fast aussichtslos erscheint, noch eine Möglichkeit haben kann, etwas zu verändern. Man kann das Ruder noch einmal herumreißen und die Weichen neu stellen. Diese Gewissheit nehme ich heute mit durch mein Leben. Wahrscheinlich fließt sie auch unterschwellig in meine Reden ein. Ebenso die Dankbarkeit für vieles, was mir selbst im Leben begegnet ist.
Der Mensch bleibt der Gleiche
Ja, eine äußerliche Veränderung kann auch die innere Haltung beeinflussen. Bei mir hat sie das getan. Trotzdem bin ich deshalb kein anderer Mensch geworden. Auf eines können sich die Angehörigen, die ich mit meinen Reden begleite, verlassen: Sie bekommen immer den Carsten Riedel, der er auch wirklich ist. Ich verstelle mich nicht und ich spiele keine Rolle. Mir ist wichtig, den Menschen zuzuhören und zu verstehen, von wem sie Abschied nehmen müssen.
Das war vor meiner Operation so. Und das ist heute nicht anders.
Vielleicht haben mich die vergangenen Monate an einigen Stellen stärker gemacht. Sie haben mir aber vor allem noch einmal gezeigt, dass Veränderungen im Leben möglich sind und dass es sich lohnt, nicht alles einfach als gegeben hinzunehmen.
Danke an alle Menschen, die mich auf meinem Weg durchs Leben begleitet haben und begleiten. Und danke an die Familien, die mir vertrauen und mir ihre Geschichten anvertrauen.
Damit meine Worte verbinden können.
Im Abschied. Im Neubeginn. Im Leben.
