Skip to content
Trauerfeier im Garten, Dekoration

Stille Beisetzung: Warum ich einen Abschied ohne Worte kritisch sehe

Es gibt Entscheidungen rund um eine Beerdigung, bei denen ich mich als Trauerredner zurückhalte. Eine Familie muss selbst wissen, was zu ihr und zum Verstorbenen passt.

Bei einer stillen Beisetzung fällt mir das schwerer. Ich sage es deshalb offen: Einen Abschied ganz ohne Worte empfinde ich meistens als zu wenig.

Vielleicht ist diese Form günstiger. Manchmal soll alles möglichst schnell vorbei sein. Es gibt auch Familien, die bei einer früheren Trauerfeier schlechte Erfahrungen gemacht haben. Das kann ich verstehen. Trotzdem bleibt für mich ein Gedanke: Eine Trauerfeier kann man nicht wiederholen. Wenn dieser Tag vorbei ist, kommt keine zweite Gelegenheit, gemeinsam noch einmal auf dieses Leben zu schauen.

Darum würde ich die Entscheidung für eine stille Beisetzung wenigstens noch einmal überdenken.

Was bedeutet stille Beisetzung?

Bei einer stillen Beisetzung wird auf eine klassische Trauerfeier verzichtet. Wie genau die Beisetzung abläuft, hängt vom Friedhof, vom Bestatter und von den Wünschen der Familie ab. Manchmal sind Angehörige dabei, manchmal findet die Beisetzung ohne sie statt. Eine ausführliche Trauerrede gibt es nicht. Für manche Menschen passt genau diese Form.

Mich stört dabei auch nicht die Schlichtheit.

Ein Abschied darf klein sein. Er muss deshalb aber nicht wortlos bleiben. Eine persönliche Trauerfeier am Grab kann auch mit wenigen Angehörigen stattfinden und trotzdem diesem Menschen gerecht werden.

Warum mir bei einem stillen Abschied etwas fehlt

Ein Mensch hat vielleicht achtzig Jahre gelebt. Er hat gearbeitet, geliebt, Entscheidungen getroffen. Er hat andere zum Lachen gebracht und vermutlich manchmal auch genervt.

Dann kommt dieser letzte gemeinsame Weg.

Für mich fühlt es sich merkwürdig an, wenn dieses ganze Leben am Ende überhaupt keine Worte mehr bekommt. Eine Rede nimmt niemandem den Schmerz. Sie kann aber noch einmal erzählen, wer hier eigentlich fehlt. Was hat diesen Menschen ausgemacht? Was ist geblieben? Welche Geschichte erzählt die Familie noch Jahre später?

Darum spreche ich auch gern von einer Lebensrede.

Der Tod bringt uns zusammen. Erzählt werden darf aber vom Leben davor.

Eine schlechte Trauerrede in der Vergangenheit ist kein Grund, auf jede Rede zu verzichten

Manche Angehörige sagen mir: „Wir hatten schon einmal einen Redner. Das war furchtbar.“ Dann höre ich von falschen Namen oder einer Rede, die genauso gut für einen anderen Verstorbenen hätte geschrieben sein können. So etwas sollte nicht passieren. Nur würde ich daraus nicht den Schluss ziehen, künftig vollständig auf eine Trauerrede zu verzichten.

Ich würde beim nächsten Mal genauer hinschauen, wem ich diese Aufgabe gebe.

Eine gute Rede besteht nicht aus einem Lebenslauf, der etwas schöner formuliert worden ist. Sie sollte erkennen lassen, wie dieser Mensch wirklich gewesen ist. Genau deshalb ist mir das ausführliche Trauergespräch mit den Angehörigen so wichtig. Mehr über meinen Anspruch an eine Rede habe ich im Beitrag Wie sollte eine gute Trauerrede sein? geschrieben.

Ein persönlicher Abschied muss nicht groß sein

Vielleicht liegt hier eines der größten Missverständnisse. Wer keine große Trauerhalle und keine große Gesellschaft möchte, braucht deshalb nicht vollständig auf eine persönliche Verabschiedung zu verzichten. Es können fünf Menschen am Grab stehen. Auch dort kann ein Redner einige Worte sagen. Vielleicht gibt es ein Musikstück.

Mehr braucht es manchmal gar nicht. Eine solche Feier muss keine halbe Stunde dauern. Wichtig ist mir, dass sie zu dem Menschen passt, von dem Abschied genommen wird. Die Zahl der Gäste spielt dabei keine Rolle. Ein Mensch wird nicht weniger wichtig, nur weil am Ende seines Lebens nur noch wenige Angehörige da sind.

Ich möchte wissen, über wen ich rede

Vor einer Rede möchte ich wissen, über wen ich später sprechen werde. Beim Trauergespräch erzählen Angehörige häufig Dinge, an die sie vorher gar nicht gedacht hatten. Wir beginnen vielleicht bei einem Lebensdatum und landen irgendwann bei einer Geschichte aus dem Urlaub. Plötzlich wird gelacht. Genau solche Momente interessieren mich.

Später versuche ich, daraus eine Rede entstehen zu lassen, in der sich die Familie wiederfindet.

Nach einer besonderen Trauerfeier in Brandis schrieb eine Angehörige sinngemäß, es habe sich angefühlt, als hätte ihr Mann mir an einer Bar selbst sein Leben erzählt. Besser kann man meinen Anspruch eigentlich kaum beschreiben.

Musik gehört für mich oft dazu

Nicht alles muss ein Redner sagen. Manchmal erzählt Musik viel mehr. Dabei muss es kein klassisches Trauerlied sein. Vielleicht gibt es einen Titel, den der Verstorbene immer gehört hat. Dann kann genau dieses Lied viel persönlicher sein als etwas, das lediglich traurig klingt. Darüber schreibe ich ausführlicher im Beitrag Musik in der Trauerfeier.

Kirchlich oder freie Trauerfeier?

Auch hier muss es kein Entweder-oder geben.

Ich selbst bin gläubiger Christ.

Wenn eine Familie christliche Elemente in einer freien Trauerfeier möchte, dürfen sie selbstverständlich dazugehören. Nur weil kein Pfarrer spricht, muss Gott nicht vor der Tür bleiben. Einen kirchlichen Segen kann und darf ich als freier Trauerredner nicht geben. Ein Vaterunser am Grab kann trotzdem dazugehören. Auch ein christlicher Gedanke kann Teil meiner Rede sein, wenn er zum Verstorbenen und zu seiner Familie passt.

Für Menschen, die fest in ihrer Kirche verwurzelt gewesen sind, kann eine kirchliche Trauerfeier genau der richtige Weg sein. Andere wünschen sich mehr Freiheit bei der Gestaltung. Beides hat seine Berechtigung.

Mehr dazu steht im Beitrag Kirchliche oder freie Trauerfeier – wo liegt der Unterschied?

Natürlich spielt auch Geld eine Rolle

Eine gestaltete Trauerfeier kostet Geld. Das muss man nicht verschweigen. Eine stille Beisetzung kann günstiger sein. Trotzdem würde ich mich nicht allein deshalb dafür entscheiden. Sprechen Sie mit Ihrem Bestatter über die Möglichkeiten. Vielleicht braucht es gar keine große Halle. Manchmal reichen wenige Menschen am Grab, persönliche Worte und ein Musikstück.

Am Ende würde ich mir eine Frage stellen: Wie möchte ich später auf diesen Abschied zurückblicken?

Ist eine stille Beisetzung würdelos?

Ich würde einer Familie niemals sagen, dass ihre Entscheidung würdelos ist. Jeder hat seine Gründe, und manchmal gibt es gute Gründe für eine stille Beisetzung. Trotzdem empfinde ich einen Abschied ganz ohne Worte oft als unpersönlich. Dann fehlen mir die Geschichten, die Erinnerungen und der Blick auf das Leben dieses Menschen.

Manchmal braucht es dafür gar nicht viel. Vielleicht nur ein paar persönliche Worte am Grab oder einen Satz wie: Danke für die Zeit, die wir miteinander hatten. Darum würde ich mir die Entscheidung, ganz auf eine Trauerfeier zu verzichten, noch einmal in Ruhe überlegen. Sie muss nicht groß sein und niemandem etwas beweisen.

Aber dieser eine Abschied kommt nicht zurück.

Häufige Fragen zur stillen Beisetzung

Bei einer stillen Beisetzung wird auf eine klassische Trauerfeier verzichtet. Wie sie genau abläuft, hängt vom Friedhof, vom Bestatter und von den Wünschen der Angehörigen ab.

Oft ist dieser Abschied sehr kurz. Vielleicht wird ein Musikstück gespielt, am Grab werden einige Lebensdaten genannt und anschließend wird die Urne beigesetzt.

Nach wenigen Minuten kann alles vorbei sein.

Genau da komme ich ins Nachdenken: Ein Mensch hat viele Jahrzehnte gelebt. Reichen uns dafür am Ende wirklich ein paar Minuten und einige Lebensdaten?

Sie kann günstiger sein, weil Leistungen einer klassischen Trauerfeier entfallen. Die tatsächlichen Kosten hängen jedoch vom Bestatter, Friedhof und der gewählten Bestattungsform ab.

Ja, wenn die Familie eine persönliche Verabschiedung möchte und die örtlichen Bedingungen es zulassen. Einige Worte direkt am Grab können bereits einen großen Unterschied machen.

Nein. Auch eine kurze Verabschiedung kann persönlich und würdevoll sein.

Aus meiner Sicht ja. Die Anzahl der Gäste entscheidet nicht darüber, welchen Wert ein Abschied hat.

Ja. Eine freie Trauerfeier muss nicht religionsfrei sein. Ich selbst bin gläubiger Christ und nehme auf Wunsch christliche Gedanken auf. Einen kirchlichen Segen kann und darf ich als freier Trauerredner nicht geben. Ein Vaterunser am Grab kann trotzdem dazugehören.

Dann würde ich beim nächsten Mal genau fragen, wie der Redner arbeitet und wie die Rede vorbereitet wird. Eine schlechte Erfahrung mit einem einzelnen Redner ist für mich kein Grund, künftig ganz auf persönliche Worte zu verzichten.

Sie überlegen noch, wie der Abschied aussehen soll?

Vielleicht wissen Sie noch gar nicht, ob Sie eine große Trauerfeier möchten.

Das müssen Sie auch nicht sofort entscheiden.

Manchmal hilft es schon, darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten es gibt und was zu dem Menschen passen könnte, von dem Sie Abschied nehmen.

Mehr über Trauerredner Carsten Riedel

Worte verbinden – im Abschied, im Neubeginn, im Leben.

An den Anfang scrollen